Lemgo – Erneut ist an der Straße Trophagener Weg unweit des Butterbachs ein Kanalschacht zerstört worden: Unbekannte haben Steine und Äste hineingeworfen und den Schacht beschädigt. Das teilte die Stadt Lemgo mit. Ein Mitarbeiter von Straßen und Entwässerung Lemgo (SEL) entdeckte die Schäden am 28. September 2026 bei einem Rundgang entlang der Kanaltrasse. Bei der Polizei erstattete die SEL Anzeige gegen Unbekannt.
Der Schacht war schon im Jahr 2024 betroffen. Damals warf jemand größere Steine, Äste, Folien und weitere Gegenstände hinein. Die Schmutzwasserkanalisation verstopfte, verunreinigtes Wasser trat aus. Die Gegenstände ließen sich nur mit erheblichem Aufwand bergen, außerdem mussten Teile der Kanalisation gereinigt werden. Weil eine Gefährdung der Umwelt nicht auszuschließen war, begutachteten Vertreter der zuständigen Aufsichtsbehörde den Bereich. Danach wurden dieser und weitere Schächte der Umgebung mit Sicherungen versehen, damit sie sich nicht mehr ohne Befugnis öffnen lassen.
Diese Sicherungen halfen diesmal nicht. Sowohl die Schlösser als auch die aufgeschweißten Metallbügel hatten die Täter mit maschinellem Werkzeug durchtrennt. Im Schacht lagen wieder größere Steine und Äste, die oberen fünf Steigbügel im Schachtinneren waren abgeschlagen. Die Kanalisation zeigte bereits einen Rückstau. Schmutzwasser war oberirdisch noch nicht ausgetreten. Nach den Umständen sei anzunehmen, dass die Manipulationen erst kurz vor der Entdeckung geschahen.
Beim ersten Vorfall gingen die Mitarbeitenden der SEL noch von einem dummen Streich aus. Diesmal deuten aus ihrer Sicht die gezielte, aufwendige Beschädigung der Sicherungen und die weiteren Zerstörungen auf Vorsatz hin. Für die Reparatur fällt ein erheblicher finanzieller Aufwand an.
Der Vorfall hätte nach Angaben der SEL schlimmer ausgehen können. Ein weiterer Rückstau hätte unter Umständen verunreinigtes Schmutzwasser austreten lassen und die Umwelt gefährdet. Auch Schäden an den Grundstücksentwässerungsanlagen der angeschlossenen Haushalte wären möglich gewesen. Eingriffe in die Kanalisation beeinträchtigen laut den Mitarbeitenden die ordnungsgemäße Abwasserentsorgung und gefährden Umwelt und Anwohner.
Überblick
- Schauplatz war der Trophagener Weg unweit des Butterbachs
- Entdeckt: 28. September 2026 bei einem Rundgang entlang der Kanaltrasse
- Hinweise: Verdächtige Beobachtungen an den Kanalschächten sollen der Polizei gemeldet werden.
Einordnung
Wer in einem Haus unterhalb der Rückstauebene wohnt, sollte wissen, wer bei einem Rückstau zahlt: Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass Grundstückseigentümer für alle Schäden durch Rückstau selbst haften, wenn sie entgegen der Entwässerungssatzung ihrer Gemeinde keine Sicherungen eingebaut haben. Kommunen haften laut Verbraucherzentrale nicht für Rückstauschäden an privaten Häusern.
Die Stadt Lemgo schreibt auf ihrer Website, dass Vorkehrungen gegen Rückstau in der Regel auch Voraussetzung für einen Versicherungsschutz sind. Eine Elementarschadenversicherung schließe Rückstauschäden nicht automatisch ein, dies müsse ausdrücklich vereinbart werden.
Als Schutz nennt die Verbraucherzentrale bei genutzten Wohnräumen unterhalb des Straßenniveaus eine Hebeanlage. Rückstauklappen halten laut Verbraucherzentrale lediglich Wasser aus dem öffentlichen Kanal ab. Laut Verbraucherzentrale müssen Hebeanlagen und Rückstauverschlüsse regelmäßig geprüft und gewartet werden, sonst riskieren Eigentümer bei Schäden ihren Versicherungsschutz. Wer Abfälle über die Toilette entsorgt, riskiert den Schutz: Feuchttücher, Windeln oder Essensreste können laut Verbraucherzentrale in der Rückstauklappe hängen bleiben und sie blockieren.
Redaktionsnotiz
Der Fall zeigt, dass ein beschädigter Schacht am Ende die Haushalte im Anschluss treffen kann. Die SEL hat nach dem ersten Vorfall gesichert und reagiert nun mit einer Anzeige. Offen bleibt, wer hinter den Taten steckt. Anwohner sollten Auffälliges an Schächten melden und prüfen, ob ihr Haus gegen Rückstau gesichert und versichert ist.



