Minden – Die Modernisierung und der Umbau des Mindener Rathaus-Komplexes sind vom Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Ostwestfalen-Lippe mit einem Anerkennungspreis bedacht worden. Das teilte die Stadt Minden mit. Für die Verwaltung nahmen der Beigeordnete für Finanzen und Gebäudewirtschaft, Norbert Kresse, und der Fachbereichsleiter für Organisation und Personal, Andreas Fabry, die Auszeichnung in Herford entgegen, gemeinsam mit dem Planungsteam.
Wer am Projekt beteiligt war
Eingereicht hat das Projekt das Architekturbüro BKSP aus Hannover. Es war nach einer europaweiten Ausschreibung mit Sanierungsplanung und -begleitung beauftragt worden. ELPLAN verantwortete die technische Gebäudeausrüstung.
Kresse erklärt dazu: „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung.“ Einen Komplex aus sechs Jahrhunderten mit einem Bestandmix zu sanieren, zu modernisieren und barrierearm umzugestalten, sei eine große Herausforderung gewesen. Erschwerend wirkte sich aus, dass sämtliche Bauteile denkmalgeschützt sind. Mit einem Preis der Fachwelt sei nicht unbedingt zu rechnen gewesen, so der Beigeordnete, denn Konkurrenz und Bandbreite der Beiträge seien groß gewesen, vom Schulneubau über eine Landesgartenschau bis zum Einfamilienhaus.
Die Jury schrieb in ihrer Begründung, das in Deutschland einmalige Ensemble von Verwaltungsbauten stehe heute mit technischem Refresh, neu geordneten Nutzungsflächen, sauberen Oberflächen und sanierten 1000 Fenstern selbstbewusst im Stadtraum. Sie verwies außerdem auf den Deilmann-Bau: Ein Bürgerbegehren habe ihn vor dem Abriss bewahrt, die Sanierung sei nun seine zweite Rettung.
Der Wettbewerb
Vergeben wird der Preis in der Regel im Dreijahresrhythmus. 27 Projekte aus OWL wurden eingereicht, die Jury kürte daraus drei Auszeichnungen und drei Anerkennungen. Die drei Ausgezeichneten treten nun beim NRW-Landeswettbewerb des BDA an:
- das neue Eingangs- und Ausstellungsgebäude im LWL-Freilichtmuseum Detmold (ACMS Architekten, Wuppertal)
- die Landesgartenschau Höxter, entworfen von Franz Reschke Landschaftsarchitektur und jangled nerves, Berlin
- das Umfeld des Bahnhofs Höxter-Rathaus (Planung: Franz Reschke Landschaftsarchitektur zusammen mit der Rimpau Bauer Derveaux Partnerschaft von Architekten)
Neben Minden gab es zwei weitere Anerkennungen: für das Prinzenhaus im Schlosspark Schieder-Schwalenberg (LOMA architecture sowie Brunnhofer + Vukorep + Schück aus Kassel) und für den Neubau der Hellingskampschule in Bielefeld (pussert kosch architekten). Nach Angaben des BDA stehen die Projekte beispielhaft für Aufgaben zeitgenössischer Architektur, vom Umgang mit historischer Bausubstanz über die Weiterentwicklung öffentlicher Gebäude bis zu neuen Lernorten.
Die Jury bestand aus Benedikt Kraft (stellvertretender Chefredakteur der DBZ, Gütersloh), der Architektin Stephanie Stratmann aus Münster und dem Architekten Jonas Tratz aus Berlin. Den Vorsitz hatte der Kölner Architekt Dr. Markus Kilian.
Zum Rathaus-Komplex
Der Komplex in der Innenstadt besteht aus sechs Gebäudeteilen mit drei Baustilen und sechs Jahrhunderten Geschichte. Das Rathaus stammt im Ursprung aus dem Jahr 1260, vollendet wurde der Komplex 1978, als der verbindende Deilmann-Bau eingeweiht wurde. 2017 begann die Sanierung des komplett denkmalgeschützten Ensembles, zuerst mit dem historischen Rathaus, danach mit dem Neubau. Seit Februar 2026 sind die ersten beiden Bauabschnitte fertig. Die neugestaltete Bürgerhalle, in die auch die Tourist-Information einzog, wurde Ende März eröffnet. Beim „Tag der Architektur 2026“ am Samstag, 27. Juni, ließ sich der sanierte Bereich bei geführten Rundgängen besichtigen.
Überblick
- Besucher können die Schau im Marta-Forum (Museum für zeitgenössische Kunst) noch bis einschließlich Sonntag, 25. Oktober 2026, sehen.
- Eintritt: kostenfrei
- Danach: ab dem 1. Dezember 2026 im Foyer der Stadthalle Gütersloh
Redaktionsnotiz
Dass ein denkmalgeschützter Komplex mit so unterschiedlichen Bauteilen von Fachleuten gewürdigt wird, spricht für die Qualität der Arbeit am Bestand. Mindener können sich das Ergebnis in der Ausstellung ansehen und mit dem eigenen Eindruck vom Rathaus vergleichen. Die Mitteilung nennt allerdings keine Kosten der Sanierung, die Leser sicher ebenfalls interessieren würden.



