Paderborn – Der Geisselsche Garten in Paderborn ist wieder offen. Bürgermeister Stefan-Oliver Strate und die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke gaben die Grünanlage nach rund einem Jahr Bauzeit offiziell frei, wie die Stadt Paderborn mitteilte. Tornado Emmelinde hatte das rund 4000 Quadratmeter große Areal 2022 beschädigt. Besucher finden jetzt ein Wegesystem, das auf Fußgänger ausgerichtet ist, dazu einen Steg mit Blick auf die Dielenpader sowie neue Bänke und Sichtachsen. Neu ist außerdem eine Gartenmauer aus Lehm, wie es sie in Paderborn so noch nicht gab.
Die Mauer ist 115 Zentimeter hoch und folgt dem Verlauf der historischen Mauer. Damit steht erstmals in Paderborn eine Lehmmauer in einer städtischen Grünanlage. Ihre Optik und Haptik können sich mit der Zeit verändern. Laut Stadt wirkt Lehm klimaregulierend, kann in Hitzeperioden abkühlen und Wasser speichern, zudem bietet er Insektenarten einen Lebensraum. Gefertigt wurde die Mauer in einem Werk in Scherfede und vor Ort in etwa sechs Meter langen Teilstücken eingebaut. Im Bereich der Wege wird sie von Toren aus Cortenstahl durchbrochen. Diese betonen den Gartencharakter und erlauben, einzelne Bereiche zum Schutz von Flora und Fauna zeitweise zu schließen, falls das nötig würde.
Peter Carl vom Planungsbüro Lohaus Carl sagte: „An diesem Ort fügt sich nun alles organisch zusammen: Die Lehmstampfmauer mit den Toren aus Cortenstahl bildet den Eintritt zu diesem Ort, der ein Stück Natur mitten in der Stadt schafft.“ Die Waldkulisse biete ein Bruthabitat für Vögel und eine Futterwiese für Insekten.
Der Altbaumbestand, den der Tornado verschonte, blieb erhalten. Einige 2022 gefallene und zwischenzeitlich eingelagerte Stämme stehen nun als Totholz mit bis zu vier Metern Höhe wieder im Garten. Sie sollen mit unterschiedlichen Bruthöhlen Vögeln und Insekten als Lebensraum dienen. Die Fußwege wurden auf einen wassergebundenen Weg reduziert, der sich in zwei Arme Richtung Stadtbibliothek gabelt. Die Dielenpader erhielt den Aussichtssteg und wurde stellenweise mit Störschüttungen, einer Fluss-Verbreiterung und einer Uferabflachung ökologisch aufgewertet. Wo im 19. Jahrhundert eine Teichanlage lag, befindet sich jetzt eine feuchte Senke als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten.
Warnecke sagte, der Garten liege seit 1940 in den Händen der Stadt. Die neu gestaltete Anlage verbinde den ökologischen Aspekt mit dem Charakter eines Gartens. Strate dankte allen Beteiligten und besonders Warnecke, die Ende des Monats aus dem Dienst ausscheidet.
Die Wiederherstellung kostete rund eine Million Euro. Der Kreis Paderborn unterstützt sie mit circa 100.000 Euro aus Ersatzgeldern für Naturschutzmaßnahmen. Das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt über das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung 90 Prozent der verbleibenden Kosten im Rahmen der Förderrichtlinie Sturmtief „Emmelinde“. Die Stadt dankt Bürgern und Anwohnenden für das Verständnis während der Bauzeit.
Einordnung
Stampflehm ist laut Wikipedia eine massive Lehmbau-Art, die sich grundsätzlich vom Bauen mit luftgetrockneten Lehmziegeln unterscheidet. Beim Stampflehmbau wird das Lehmgemisch lagenweise in eine Schalung eingebracht. Die dadurch entstehenden Absätze sind später in der Regel als Linien sichtbar.
Als Vorteil nennt Wikipedia den geringen Energieaufwand: Zu Gewinnung, Transport und Mischen sei nur ein vergleichsweise geringer Einsatz von Primärenergie nötig. Bei einem Abriss lasse sich der Baustoff lagern, bis er erneut mit Wasser angemischt und verwendet wird.
Die Stadt Paderborn beschreibt auf ihrer Website, dass der Garten zu einer „innenstadtnahen Grünoase mit wichtiger Trittsteinfunktion im Freiflächen- und Biotopverbund um die Altstadt“ wurde. Der Tornado entwurzelte oder schädigte dort demnach etwa 120 Bäume.
Redaktionsnotiz
Die Lehmmauer ist ein mutiger Baustein, weil sie sichtbar altert und damit zum Gartencharakter passt. Ob Totholzstämme und Bruthöhlen tatsächlich von Vögeln und Insekten angenommen werden, zeigt sich erst in den kommenden Jahren. Besucher sollten beachten, dass einzelne Bereiche laut Stadt zum Schutz von Flora und Fauna zeitweise geschlossen werden könnten.



