Erndtebrück: Haushaltsentwurf 2027 sieht 2,8 Mio. € Defizit vor

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Erndtebrück – Die Gemeinde Erndtebrück plant für 2027 mit einem Minus: Der Haushaltsentwurf weist Erträge von 27,1 Mio. € und Aufwendungen von 29,9 Mio. € aus. Daraus ergibt sich ein Defizit von 2,8 Mio. €, teilte die Gemeinde Erndtebrück mit. Zugleich plant die Gemeinde Investitionen in Höhe von 14,5 Mio. € ein.

Defizit und Ausgleichsrücklage

Einen strukturellen Haushaltsausgleich erreicht die Gemeinde 2027 nicht. Weil sich der Fehlbedarf aus der Ausgleichsrücklage decken lässt, gilt der Haushalt dennoch als fiktiv ausgeglichen. Bis 2030 rechnet die Gemeinde jedes Jahr mit einem hohen Plandefizit. Im Wesentlichen bestimmen der erneute Anstieg der Kreisumlage und höhere Zinsaufwendungen diese Entwicklung. 2030 soll die Ausgleichsrücklage vollständig aufgebraucht sein.

Kämmerin Petra Göbel sagte, das Eigenkapital verringere sich 2030 um die Hälfte. Ein Abgleiten in die Haushaltssicherung lasse sich aber wegen der Jahresüberschüsse der Jahre 2020 – 2025 noch vermeiden. Die Gemeinde müsse ehrlich klären, „was wir uns unter diesen finanziellen Bedingungen noch leisten können, und was eben auch nicht“.

Einnahmen und Kreisumlage

Bei den Einnahmen steht die Gewerbesteuer mit 9 Mio. € an erster Stelle. Die Gemeinde plant hier wie im vergangenen Jahr bewusst vorsichtig. Mit 12,3 Mio. € fällt die Kreisumlage als größter Aufwandsposten ins Gewicht. Das sind 2,2 Mio. € mehr als zuvor veranschlagt. Davon entfallen 1,3 Mio. € auf höhere Umlagegrundlagen und 0,9 Mio. € auf den geplanten Anstieg des Hebesatzes um 5,38 Prozentpunkte.

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Schule, Bildung und Sport

Die größte Investition der kommenden Jahre ist der Neubau der Grundschule am Standort der ehemaligen Rothaarsteigschule, für den bis 2030 insgesamt 25,5 Mio. veranschlagt sind. Davon sind für 2027 3 Mio. € für Planung und den Abbruch der früheren Hauptschule vorgesehen. An der Realschule entsteht in den Jahren 2027 und 2028 ein neuer Verwaltungstrakt samt weiteren Klassenräumen, veranschlagt mit 1,5 Mio. €. Wieder im Plan steht die energetische Sanierung von Dreifachturnhalle und Hallenbad, die 0,7 Mio. € kosten soll; hinzu kommen Fördermittel aus der Städtebauförderung über 0,4 Mio. €.

Abwasser und Straßen

Für die Abwasserbeseitigung stehen 2027 Investitionen über 1,9 Mio. € an. Zu den größten Maßnahmen zählt der Neubau der Rechenanlage der Kläranlage 2. BA (1,3 Mio. €), außerdem die weitere Regenwasserbehandlung im Grünewald (0,2 Mio. €), die im Rahmen des Bauvorhabens am Bahnübergang Grünwald erfolgt, sowie die Erneuerung des Kanals in der Breidenbachstraße 2. BA, veranschlagt mit 0,18 Mio. €.

Im Straßenausbau sind Investitionen über 2,9 Mio. € geplant. Umplanungen waren nötig, weil Straßen NRW 2027 die Deckenerneuerung der B 62 in der Ortsdurchfahrt samt Sanierung beider Kreisverkehre plant. Statt Weiherstraße, Bergstraße und Hauptmühle soll 2027 der Ausbau Zur Hude erfolgen, mit 1,2 Mio. € Baukosten und 0,9 Mio. € Landesmitteln. Mit dem 2. BA geht der Ausbau der Breidenbachstraße von der Oststraße bis zur Marburger Straße weiter, wofür Baukosten von 0,9 Mio. € anfallen und Landesmittel von 0,7 Mio. € fließen. Für weitere Wirtschaftswege nach dem ländlichen Wegenetzkonzept sind 0,3 Mio. € eingeplant, bei Fördermitteln von 0,21 Mio. €.

Gemeindeentwicklung und Dorferneuerung

Im Kernort entstehen weitere Bauplätze: Das Neubaugebiet „Sonnenhang“ wird im 1. BA erschlossen, oberhalb der Roger-Drapie-Straße, für 1,2 Mio. €. Mit 0,4 Mio. € soll 2027 die Kernsanierung weiterer Wohnungen im Pulverwald abgeschlossen werden. Für die Flurbereinigung Womelsdorf, die zum Abschluss kommt, stehen 0,2 Mio. € bereit. Für einen Dorfplatz in Womelsdorf sind erneut 0,16 Mio.€ eingeplant. Dorferneuerungsmittel sollen davon 0,1 Mio. € tragen.

Im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts beginnt die Entwicklung des alten Friedhofs Ederfeld samt Kapelle zu einem integrativen Quartiersplatz. Die Gesamtkosten betragen 0,6 Mio. €, die Förderung aus Städtebaumitteln liegt bei 60 %. 2027 stehen dafür 0,25 Mio. € zur Verfügung. Beim „Graue-Flecken-Programm“ des Kreises Siegen-Wittgenstein für Glasfaseranschlüsse zahlt die Gemeinde über 3 Jahre hinweg jeweils 0,23 Mio. €/Jahr als Eigenanteil.

Sicherheit und Brandschutz

Im Ortsteil Zinse soll die Löschwasserversorgung im Zuge des Anschlusses an das gemeindliche Wasserversorgungsnetz nachhaltig gesichert werden. 2027 stehen 0,5 Mio. € zur Verfügung, die Gesamtkosten belaufen sich auf 0,8 Mio. €. Für die Ergänzung von Einsatzkleidung und Ausrüstung der Feuerwehr stehen 135 T€ bereit. Zudem schafft die Gemeinde die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für 2 weitere Löschfahrzeuge für Schameder und Womelsdorf in 2028/2029.

Bürgermeister Henning Gronau sagte, es sei wichtig, auch in schwierigen Zeiten in Lebensqualität und Zukunftsthemen zu investieren. Investitionen müssten aber noch stärker priorisiert werden, und die Gemeinde müsse weiter sparsam agieren.

Überblick

  • Erträge 2027: 27,1 Mio. €
  • Aufwendungen 2027: 29,9 Mio. €
  • Defizit 2027: 2,8 Mio. €
  • Investitionen 2027: 14,5 Mio. €
  • Kreisumlage: 12,3 Mio. €
  • Gewerbesteuer: 9 Mio. €

Einordnung

Erndtebrück ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Siegen-Wittgenstein. Sie ist eine kreisangehörige Gemeinde im Regierungsbezirk Arnsberg.

Nach Angaben von Wikipedia hatte die Gemeinde 6804 Einwohner (Stand 2025) auf einer Fläche von 70,98 km². Sie gliedert sich in 9 Ortsteile. Bürgermeister ist Henning Gronau.

Redaktionsnotiz

Die Mitteilung nennt viele Projekte, sagt aber nicht, welche davon bei knapperem Geld zuerst auf den Prüfstand kämen. Genau diese Frage stellt auch die Kämmerin. Für Bürger wird entscheidend sein, welche Prioritäten der Rat setzt, wenn er den Entwurf berät.

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