Coesfeld – Der Kreis Coesfeld rechnet für 2027 mit einer höheren Zahllast der Kommunen. Sie soll nach bisherigem Stand um rund 9,75 Mio. Euro über dem Wert des Haushalts 2026 liegen, teilte die Kreisverwaltung mit. Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Kreisdirektor und Kämmerer Dr. Linus Tepe bringen den Entwurf des Kreishaushalts 2027 am Mittwoch, den 04.11.2026, in den Kreistag ein.
Neben den Tarifsteigerungen für das Personal treiben mehrere Posten die Mehrbelastung: höhere Zahlungen an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (rund 3,71 Mio. Euro), weitere Kostensteigerungen bei Soziales und Jobcenter (+2,2 Mio. Euro) sowie wegfallende Förderungen im ÖPNV (rund 1 Mio. Euro) und beim Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst (1,7 Mio. Euro). Trotzdem bleibt der Kreis nach eigenen Angaben unterhalb der Zahlungen, die die mittelfristige Finanzplanung vorausgesagt hatte und die die Kommunen bisher ihren eigenen Prognosen zugrunde legen.
Anlass der Mitteilung ist die Stellungnahme der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zum Eckdatenpapier. Der Landrat verwies darauf, der Kreis habe in den letzten Jahren durch ein gemeinsames Verständnis der kommunalen Familie rund 23 Mio. Euro Eigenkapital beziehungsweise Verbesserungen der Jahresabschlüsse zurückgegeben. Zugleich sei in den meisten Kommunen das Eigenkapital „erfreulicherweise jedoch, teils deutlich, gestiegen“. Der Kreis nehme die Finanzlage der Kommunen weiterhin sehr ernst, sagte er, das Kernproblem einer auskömmlichen Finanzierung müsse aber das Land dringend lösen.
Aus der Stellungnahme will der Kreis Anregungen aufgreifen, etwa eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit beim Klimaschutz. Dann erwarte der Kreis aber, dass die Räte vor Ort entsprechende Beschlüsse fassen. Die Bürgermeisterkonferenz habe sich grundsätzlich darauf verständigt, weitere Möglichkeiten vertiefter Zusammenarbeit zu prüfen. Schon jetzt übernimmt der Kreis für alle oder einige Kommunen die Lohnabrechnung der kommunalen Beschäftigten, den Datenschutz, die Schlauchpflege für die Feuerwehren, das Kreiszentralarchiv und die Vergabe öffentlicher Aufträge. Für weitere Partner und Themen stehe der Kreis zur Verfügung.
Kämmerer Tepe hob hervor, der Kreis gehe mit keinem Zuwachs nicht refinanzierter Stellen in die Beratungen, es sei der erste Null-Stellenplan in den letzten Jahren. Man wolle weiter kritisch prüfen, welche Folgen die zunehmende Digitalisierung für den Personalstamm hat, und gehe davon aus, dass die Kommunen das ebenso tun. Außerdem verhängte der Kreis jüngst eine Bewirtschaftungssperre in bestimmten Teilbereichen und stoppte die Wiederbesetzung frei gewordener Stellen. Das sei ein Signal, dass konsolidiert werde, so Tepe.
Landrat und Kämmerer wollen den Austausch mit den Kommunen fortsetzen: „Unsere Tür steht immer offen“, so beide Kreisvertreter.
Überblick
- Einbringung des Kreishaushalts 2027 in den Kreistag: Mittwoch, 04.11.2026
- Beratungen in den Fraktionen und Gruppen sowie in den Ausschüssen des Kreises danach
- Beschlussfassung in der Kreistagssitzung am 09.12.2026
Redaktionsnotiz
Die Mitteilung liest sich als Antwort auf die Bürgermeister und wirbt um Verständnis für den Kreis. Der Hinweis auf gestiegenes Eigenkapital in den Kommunen ist ein deutlicher Gegenpunkt. Offen bleibt, wie die Städte und Gemeinden das bewerten, denn ihre Stellungnahme selbst wird nicht wiedergegeben. Die Haushaltsberatungen dürften zeigen, wie viel Gemeinsamkeit bleibt.



