Münster – Fünf Tage lang haben sich Jugendliche der Klasse 8b der Hauptschule Coerde mit Demokratie beschäftigt. Vom 5. bis 9. Oktober lief die „Woche der Demokratie“, teilte die Polizei Münster mit. Die Demokratiepaten der Polizei organisierten und begleiteten sie.
Auf dem Stundenplan standen keine klassischen Fächer. Die Klasse arbeitete zu demokratischen Werten, Rassismus, Gewaltprävention, Zivilcourage und Extremismus. Wichtig waren das Gespräch miteinander, Übungen zum Mitmachen und das, was die Jugendlichen selbst erlebt haben.
Vom Klassenregeln-Auftakt bis zum Polizeipräsidium
Zum Start erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler gemeinsame Werte für ihre Klasse: Dazu zählen Respekt, Zusammenhalt, die Bereitschaft, andere Meinungen auszuhalten, und das Ausredenlassen. Dabei sei schnell klar geworden, dass Demokratie schon im Kleinen anfängt.
Besonders hervorgehoben wird der Besuch im Münsteraner Polizeipräsidium. Die Jugendlichen sprachen dort über Vorurteile und Rassismus und sahen sich hinter den Kulissen um, unter anderem Streifenwagen und Polizeigewahrsam. Besonders großes Interesse weckten die Gespräche mit Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten.
An einem der übrigen Tage erzählte ein früherer Strafgefangener offen von seiner kriminellen Vergangenheit sowie davon, welche Folgen Gewalt und Drogen haben. Wie man in Notsituationen Hilfe leistet und einen Notruf absetzt, probten die Jugendlichen in Rollenspielen. Am Ende ging es um Radikalisierung, Extremismus und darum, wie sich Falschinformationen im Internet erkennen lassen.
Ziel: Vertrauen aufbauen
Mit den Demokratiepaten verfolgt die Polizei Münster nach eigener Darstellung einen Ansatz, der über die übliche Polizeiarbeit hinausgeht. Demokratie soll nicht bloß erläutert, sondern im unmittelbaren Gespräch erfahrbar werden. Junge Menschen sollen Fragen stellen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und Vertrauen in staatliche Institutionen aufbauen können.
Die Rückmeldung der Klasse fiel eindeutig aus: Alle Schülerinnen und Schüler wünschen sich eine Wiederholung der Projektwoche. Die Demokratiepaten werten das als großen Erfolg und wollen den Austausch weiterführen.
Redaktionsnotiz
Das Konzept setzt auf Begegnung statt Vortrag, und das passt zum Thema: Wer einem Polizisten selbst Fragen stellen darf, baut Vorurteile eher ab als mit Merkblättern. Offen bleibt, ob sich solche Wirkungen auch längerfristig zeigen. Die Mitteilung nennt dazu nichts, und auch nicht, ob weitere Klassen die Woche erleben können.



