Düsseldorf – Die Bahnstrecke zwischen Münster und Sendenhorst kann wieder für Fahrgäste ausgebaut werden. Der Bund stellt dafür rund 161 Millionen Euro bereit, das Land steuert weitere 9 Millionen Euro bei. Die Förderzusage des Bundes liegt vor, teilte das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW mit. Zum bestehenden Baurecht ist damit auch die Finanzierung des Vorhabens gesichert. Die Planung hatte das Land schon vorher mit mehr als 6 Millionen Euro gefördert.
Verkehrsminister Oliver Krischer übergab die Zusage am Freitag, 16. Oktober 2026, in Münster an die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE). Er sagte: „Mit der gesicherten Finanzierung können wir Gleise erneuern, Bahnübergänge sicherer gestalten und neue barrierefreie Haltepunkte schaffen.“ Die Strecke sei früher ein relevanter Teil des Alltagsverkehrs gewesen, und das solle sie wieder werden.
Vom Bahnanschluss zur Stilllegung
Eröffnet wurde die Verbindung im Jahr 1903. Sendenhorst, heute mit knapp 15.000 Einwohnern, bekam dadurch einen direkten Bahnanschluss. Als der Autoverkehr in den 1960er und 1970er Jahren zunahm, sanken die Fahrgastzahlen, und der Betrieb wurde schließlich eingestellt. Die letzten planmäßigen Fahrgäste fuhren im September 1975 auf dieser Strecke.
Was jetzt geplant ist
Künftig sollen wieder Nahverkehrszüge fahren. Auf der nicht elektrifizierten Strecke sind batterieelektrische Züge vorgesehen. Die Fahrzeit zwischen Sendenhorst und dem Hauptbahnhof Münster soll rund 30 Minuten betragen. Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) rechnet mit mehr als 10.000 Ein- und Aussteigern pro Werktag. Ziel sei, die Anbindung an den Hauptbahnhof zu verbessern, die Straßen zu entlasten und CO2-Emissionen einzusparen.
Die rund 21 Kilometer lange Strecke gehört zu den ersten Projekten der geplanten S-Bahn Münsterland. Als Linie S 68 soll sie Sendenhorst und Albersloh im Kreis Warendorf sowie die Münsteraner Stadtteile Wolbeck, Angelmodde, Gremmendorf, Loddenheide und die Halle Münsterland mit dem Stadtzentrum verbinden. Die WLE ist für die Ertüchtigung der Strecke verantwortlich. Der NWL leitet als zuständiger Aufgabenträger das Gesamtprojekt und wickelt für das Land die Förderung als Bewilligungsbehörde ab. Die Wiederaufnahme des Personenverkehrs ist zudem Teil der Betriebskonzepte „Zielnetz 2032“ und „Zielnetz 2040“, mit denen das Angebot in Nordrhein-Westfalen wachsen soll.
Finanzierung und nächste Schritte
Der Bund übernimmt etwa 90 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Das Projekt kostet insgesamt rund 187 Millionen Euro. Das Land beteiligt sich mit einer Kofinanzierung und hat nach Angaben des Ministeriums bereits erhebliche Teile der Planungskosten übernommen. Dritter Finanzierungspartner ist die WLE als Betreiberin der Infrastruktur.
Staatssekretär Stefan Schnorr vom Bundesministerium für Verkehr sprach von einem Beispiel dafür, was gelinge, wenn Bund, Land und Wirtschaft zusammenarbeiten. Die Zusage umfasse rund 160 Millionen Euro Bundesfinanzhilfen. Grundlage sei das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, mit dem der Bund S-Bahn, Stadt- und Straßenbahn fördere. Er erwarte, dass Zehntausende Menschen von der Verbindung nach Münster profitieren und dass Pendlerverkehre und Regionalentwicklung gestärkt werden.
WLE-Geschäftsführer Detlef Berndt kündigte an, die WLE wolle umgehend vorbereiten, weitere Bauleistungen auszuschreiben. Die Bezirksregierung Münster hatte Ende Januar einen Planfeststellungsbeschluss erlassen und der WLE damit das Baurecht erteilt. Anhängige Verfahren beim Oberverwaltungsgericht Münster wird das Gericht nach Einschätzung der WLE zu ihren Gunsten entscheiden. NWL-Geschäftsführerin Christiane Auffermann sagte, das Projekt wechsle nun von der Planungs- in die Umsetzungsphase. Für die Kommunen und die Menschen in der Region sei das eine sehr gute Nachricht.
Die Kommunen begrüßen die Zusage ebenfalls. Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs sagte: „Die WLE-Reaktivierung stärkt die Schiene in Münster und schafft für viele Pendler eine attraktive Alternative zum Auto.“ Landrat Dr. Olaf Gericke erklärte, der Personenverkehr verbessere die Anbindung der Kommunen im Kreis Warendorf deutlich. Sendenhorsts Bürgermeisterin Katrin Reuscher nannte den Förderbescheid einen wichtigen Schritt zu mehr umweltfreundlicher Mobilität und Lebensqualität.
Überblick
- Förderzusage: rund 161 Millionen Euro vom Bund, 9 Millionen Euro vom Land
- Gesamtkosten: rund 187 Millionen Euro
- Übergabe der Zusage: Freitag, 16. Oktober 2026, in Münster
- Strecke: rund 21 Kilometer zwischen Münster Hauptbahnhof und Sendenhorst, Linie S 68
- Fahrzeit Sendenhorst–Münster Hauptbahnhof: rund 30 Minuten
Einordnung
Der NWL nennt auf seiner Projektseite acht Haltepunkte entlang der Strecke. Zwischen Wolbeck und Münster soll die Reisezeit rund 16 Minuten betragen. Eingesetzt werden sollen Akku-Züge, weil die Strecke nicht elektrifiziert ist.
Zu den ersten Schritten der S-Bahn-Vorstufe zählen drei Züge je Stunde und Richtung auf dem Abschnitt von Münster Hbf nach Münster-Wolbeck. Bis Sendenhorst sind es zwei Züge.
Wie der NWL nach dem Planfeststellungsbeschluss mitteilte, wollte die WLE danach die Förderung beim Bund beantragen. Parallel plane sie Details zu Bau und Ausstattung. Auf dieser Grundlage sollen öffentliche Ausschreibungen die wirtschaftlichsten Anbieter ermitteln.
Redaktionsnotiz
Mit der gesicherten Finanzierung ist die größte Hürde genommen, doch Pendler brauchen einen konkreten Starttermin. Den Starttermin für den Fahrgastbetrieb nennt die Mitteilung nicht. Offen bleibt auch, wie sich die anhängigen Gerichtsverfahren auswirken und wie die Bauarbeiten ablaufen. Wer entlang der Strecke wohnt, sollte die Ausschreibungen und Ankündigungen von WLE und NWL im Blick behalten.



