Höxter: Mehr als 100 Fachkräfte vernetzen sich für seelische Gesundheit

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Höxter – Mehr als 100 Fachleute aus der Kinder- und Jugendarbeit haben sich im Berufskolleg des Kreises Höxter in Höxter getroffen, um über die seelische Gesundheit junger Menschen zu sprechen. Der Fachtag gehörte zu den Wochen der Seelischen Gesundheit. Deren Aktionen und Veranstaltungen im Kreisgebiet stoßen nach Angaben des Kreises auf große Resonanz und laufen noch bis Ende Oktober. Die Abteilung Gesundheitsvorsorge des Kreises Höxter organisierte den Tag, wie die Kreisverwaltung mitteilte.

Die Moderation übernahm Cornelia Pätzold von „Der Paritätische Kreis Höxter“. Mit dabei waren Fachkräfte aus Kitas, Schulen, dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), dem Gesundheitsdienst, dem Sport, der Jugendarbeit, von freien Trägern, Beratungsstellen und Wohnanbietern.

Landrat Michael Stickeln sagte in seiner Begrüßung: „Die psychische Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen darf kein Tabu- oder Randthema sein.“ Er forderte, dass Familie, Schule, Jugendhilfe, Sport und Gesundheit zusammenarbeiten, um das Sicherheitsnetz für die Jüngsten im Kreis enger zu knüpfen.

Mehr Behandlungen, neue Befragung

Die ersten Fachbeiträge lieferten Abteilungsleiterin Sabine Heinemann sowie Luisa Bahl, die als Psychiatriekoordinatorin in der Abteilung Gesundheitsvorsorge tätig ist. Seit dem Jahr 2020 sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen in stationärer, teilstationärer oder ambulanter Behandlung gestiegen, so Luisa Bahl. Um besser zu sehen, wie es jungen Menschen geht, macht der Kreis in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Jugendgesundheitsbefragung „YES 2026“ mit. Kreisweit machen 14 weiterführende Schulen mit.

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Sabine Heinemann sagte, seelisch gesundes Aufwachsen sei eine gemeinsame Aufgabe verschiedener Akteure. Seelische Gesundheit beginne nicht erst bei einer Diagnose, es gehe darum, Risiken frühzeitig zu erkennen.

Impulse zu Resilienz und Stressbewältigung

Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin Eva Specker stärkte in einer „Bewegten Pause“ mit praktischen Übungen die Resilienz der Teilnehmenden. Rosa Horneff, die am Leibniz-Institut für Resilienzforschung Mainz arbeitet, erklärte die Grundlagen der Stressbewältigung. Sie betonte, Fachkräfte müssten selbst psychisch gesund sein, um Heranwachsende gut begleiten zu können.

Prof. Dr. Sven Lindberg, Universität Paderborn, nannte Resilienz ein „psychisches Immunsystem“, das sich aus Biologie, Persönlichkeit und Umfeld zusammensetzt. Sein Plädoyer lautete „Prävention vor Kuration“. Kinder müssten Schwieriges erleben und bewältigen dürfen, aber nicht allein.

Markt der Möglichkeiten und vier Workshops

Der „Markt der Möglichkeiten“ stieß auf großes Interesse. Dort konnten Teilnehmende Angebote bekannter machen und Doppelstrukturen im Kreis erkennen. In vier Fachworkshops vertieften sie ihr Wissen:

  • Patricia Berost und Carsten Schulz von der Regionalen Schulberatungsstelle für den Kreis Höxter sprachen über die frühzeitige Erkennung psychischer Erkrankungen.
  • Eva Specker zeigte Alltagsstrategien für innere Stärke.
  • Über einen positiven Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Medien sprach Benjamin Lang von der Suchtberatung der Diakonie Paderborn-Höxter e.V.
  • Die systemische Coachin Melanie Koßmann erklärte Ansätze der positiven Psychologie.

Fazit der Veranstalter

Sabine Heinemann zog ein positives Fazit: Die Veranstaltung habe Impulse geliefert, um Kooperationen direkt in die Praxis umzusetzen. Landrat Stickeln dankte Organisatoren, Referierenden und Teilnehmenden. Der Fachtag habe Vorträge, Workshops und Vernetzung geboten, die für das Miteinander der Familien im Kreis nötig seien.

Einordnung

Die Abteilung Gesundheitsvorsorge des Kreises Höxter setzt ein Projekt zur Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen um. Es soll das Wohlbefinden und die Resilienz von Kindern und Jugendlichen stärken und ihnen Bewältigungsstrategien vermitteln, damit psychischen Belastungen rechtzeitig entgegengewirkt wird. Dafür soll ein kommunales Gesamtkonzept entstehen, das durch sektoren- und fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit ein passendes Präventionsangebot schafft.

Bei bestehenden Krisen will das Projekt Unterstützung und Strategien anbieten und ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Außerdem sollen Eltern, Fachkräfte und Multiplikatoren aufgeklärt und Stigmatisierung abgebaut werden. Das Projekt läuft laut Projektübersicht des Landeszentrums vom 01.03.2025 bis 28.02.2029 und wird vom GKV-Bündnis für Gesundheit NRW gefördert.

Die Psychiatriekoordination des Kreises sichert und koordiniert nach eigenen Angaben das Netz der psychiatrischen und psychosozialen Hilfen. Ein Arbeitsschwerpunkt ist der Abbau von Vorurteilen gegenüber psychischen Erkrankungen, zum Beispiel durch die Beteiligung an den bundesweiten Wochen der Seelischen Gesundheit.

Redaktionsnotiz

Der Fachtag zeigt, dass im Kreis viele Stellen am selben Thema arbeiten, und der Markt der Möglichkeiten zielt klug auf Doppelstrukturen. Offen bleibt, wie die Befragung später in konkrete Angebote übersetzt wird. Zur Zunahme der Behandlungen nennt die Mitteilung zudem keine Zahlen, sodass Leser die Entwicklung kaum einordnen können.

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