Siegen – Die Universität Siegen hat den sechsten Durchgang ihres Programms LehrkräftePLUS abgeschlossen. 30 zugewanderte Lehrerinnen und Lehrer bekamen ihre Zertifikate, wie die Universität Siegen mitteilte. Sie hatten zuvor in der Ukraine, Türkei, Syrien, Afghanistan, Belarus, Indien und Iran unterrichtet. Nun wollen sie auch in Deutschland wieder als Lehrkräfte arbeiten.
Das Angebot dauert ein Jahr. Seit 2020 gehört es zum Zentrum für Lehrkräftebildung und Bildungsforschung (ZLB) der Hochschule. Wer teilnimmt, soll Sprache, Fachwissen und pädagogisch-didaktisches Können auf den Einsatz an deutschen Schulen ausrichten.
Bei der Zertifikatsübergabe gratulierte ZLB-Direktorin Prof. Dr. Stefanie Roos. Das Zertifikat stehe für „einen wichtigen Schritt auf Ihrem Weg zurück in den Lehrer*innenberuf“. Programmkoordinatorin Dr. Inga Schmalenbach nannte Zahlen zum Aufwand: 122 Bewerbungen gab es, 30 Personen kamen ins Programm. Sie absolvierten 516 Stunden Deutschunterricht samt Prüfungsvorbereitung, dazu 232 Praktikumsstunden in Schulen. Außerdem füllten sie von Hand ein 69 Seiten starkes Praktikumsbegleitheft aus. Schmalenbach hob den Zusammenhalt der Gruppe hervor.
Zum Dank gestalteten die Absolventinnen und Absolventen ein eigenes Programm und sangen ein Lied, das eine Teilnehmerin komponiert hatte. Auch Prorektorin Dr. Barbara Müller-Naendrup gratulierte. Ihr Dank galt den Dozierenden, dem Team des ZLB, den Schulen vor Ort und der Bezirksregierung Arnsberg, deren Unterstützung die Qualifizierung möglich macht. In einer Videobotschaft lobte Bildungsministerin Ina Brandes das Programm als Leuchtturmprojekt, das weit ausstrahle. Vor Ort zeigte sich Britta Bollmann vom NRW-Wissenschaftsministerium beeindruckt vom Einsatz der Teilnehmenden und sagte: „Sie werden von Lehrenden wieder zu Lernenden, weil es für Sie nichts Schöneres gibt, als jungen Menschen Wissen weiterzugeben und zu unterrichten“.
Die Teilnehmenden kommen aus den Fächern Biologie, Chemie, Englisch, Kunst, Mathematik, Physik, Maschinenbautechnik, Musik und Sport. Sie betonten, dass für den Wiedereinstieg mehr zählt als Fachwissen und Sprache: Auch den deutschen Schulalltag mit seinen Feinheiten müsse man kennenlernen. LehrkräftePLUS sei für sie eine Brücke zurück in den Beruf gewesen. Das Zertifikat sei ein bedeutender Schritt, am Ziel seien sie aber noch nicht.
Wer das Programm erfolgreich beendet, kann beim Anschlussprogramm „Internationale Lehrkräfte Fördern“ (ILF) der Bezirksregierung Arnsberg mitmachen. Das ILF soll den Weg in den Schuldienst von Nordrhein-Westfalen weiter ebnen. LehrkräftePLUS gilt als Leuchtturmprojekt von „NRWege ins Studium“ und erhält dafür jährlich 250.000 Euro. In Aussicht gestellt ist diese Förderung bis 2028.
Überblick
- Programm: LehrkräftePLUS Siegen, einjährig, am Zentrum für Lehrkräftebildung und Bildungsforschung (ZLB) der Universität Siegen
- Anschlussprogramm: „Internationale Lehrkräfte Fördern“ (ILF) der Bezirksregierung Arnsberg
- Förderung: jährlich 250.000 Euro, bis 2028 in Aussicht gestellt
Einordnung
Wer im Ausland Lehrer geworden ist und in NRW unterrichten will, braucht in der Regel eine Anerkennung. Zuständig ist die Bezirksregierung Detmold für Abschlüsse aus Drittstaaten, die Bezirksregierung Arnsberg für Abschlüsse aus der EU, dem EWR und der Schweiz. Das Anerkennungsverfahren ist laut Bezirksregierung Detmold verwaltungsgebührenfrei.
Für die Bearbeitung des Antrags sind Deutschkenntnisse Grundvoraussetzung. Nachweisen lassen sie sich laut Bezirksregierung Detmold unter anderem durch ein Zertifikat mindestens der Stufe C1 oder durch ein Kolloquium des Landesprüfungsamts für Lehrämter an Schulen. Stellt die Behörde bei EU-Abschlüssen wesentliche Unterschiede zu den Anforderungen in NRW fest, können nach Angaben des Landesamts LAQUILA Anpassungslehrgänge oder Eignungsprüfungen nötig sein. Das LAQUILA berät dazu in Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg im Vorfeld der Entscheidung.
Für Menschen ohne Lehramtsausbildung gibt es laut LAQUILA den Seiteneinstieg. Er setzt ein fachlich einschlägiges Hochschulstudium voraus, dauert berufsbegleitend 24 Monate und stellt nach bestandener Staatsprüfung den grundständig ausgebildeten Lehrkräften gleich. Offene Stellen für Seiteneinsteiger zeigt das Portal LOIS.NRW.
Redaktionsnotiz
Das Programm schließt eine Lücke zwischen mitgebrachter Berufserfahrung und den Anforderungen im deutschen Schulsystem. Offen bleibt, wie viele Absolventen anschließend tatsächlich eine Stelle finden. Interessierte sollten früh klären, welche Anerkennung für ihren Abschluss nötig ist, denn davon hängt der weitere Weg ab.



