Warendorf – Die Stadtverwaltung Warendorf will Beschäftigte, die neben dem Job Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, stärker unterstützen. Dafür ist die Stadt dem bundesweiten Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ beigetreten, teilte die Stadt Warendorf mit. Zudem hat sie eine Stelle als Lotsin beziehungsweise Lotse geschaffen. Sie berät Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen.
Die Stadt beschäftigt rund 450 Menschen und sieht sich damit in der Verantwortung. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen“, sagte Silke Middendorf, die das Haupt- und Personalamt leitet. Sie ergänzte, die Verwaltung biete inzwischen auch über 80 Teilzeitvarianten an.
Zur Lage pflegender Erwerbstätiger verweist die Stadt auf eine aktuelle Analyse der Bertelsmann Stiftung. Demnach kümmern sich bundesweit etwa 4,6 Millionen Erwerbsfähige um pflegebedürftige Angehörige. Bis 2045 könnte das auf jeden Siebten im Erwerbsalter zutreffen. Frauen stellen rund zwei Drittel aller Pflegenden. Sie verringern dafür früher und öfter ihre Arbeitszeit als Männer, was Einkommen und spätere Rente schmälert.
Über den Beitritt freut sich die Gleichstellungsbeauftragte Yvonne Hüllbrock. Wer pflegende Beschäftigte gut unterstütze, sichere ihre berufliche Perspektive und ihre eigenständige Absicherung im Alter. Die Stadt nennt außerdem den Wettbewerb um Fachkräfte: Wer Familie und Beruf gut verbinden kann, bleibt dem Arbeitgeber eher treu, und Stellensuchende achten zunehmend auf Familienfreundlichkeit.
Hinter „Erfolgsfaktor Familie“ stehen das Bundesfamilienministerium und die Deutsche Industrie- und Handelskammer gemeinsam. Bundesweit zählt das Netzwerk fast 9.200 Mitglieder auf Arbeitgeberseite, vom kleinen Betrieb bis zum Großunternehmen. Die Stadt möchte die Angebote nutzen und ihre familienbewusste Personalpolitik schrittweise ausbauen.
Einordnung
Das Netzwerk wurde 2007 gegründet, wie es in den Fragen und Antworten auf der Netzwerk-Website heißt. Getragen wird es vom Bundesfamilienministerium und der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Weitere Gründungspartner sind die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Deutsche Gewerkschaftsbund.
Nach eigenen Angaben ist das Netzwerk die bundesweit größte Plattform für familienfreundliche Unternehmen. Wie das Netzwerk mitteilt, steht die Mitgliedschaft jedem Unternehmen und jeder Institution offen, die sich für eine Personalpolitik einsetzen möchte, welche auf die Belange von Familien Rücksicht nimmt. Ausdrücklich genannt werden Privatwirtschaft, öffentlicher Dienst und Verwaltung sowie wissenschaftliche Einrichtungen. Eine bestimmte Größe oder Branche ist nicht vorgeschrieben.
Die Mitgliedschaft ist kostenfrei. Sie verpflichtet nach Angaben des Netzwerks zu keinen Leistungen oder Teilnahmen. Mitglieder können über die Mitgliedersuche gezielt nach Unternehmen der Branche oder der Region suchen und Kontakt aufnehmen.
Redaktionsnotiz
Beitritt und Lotsenstelle passen zusammen: Das Netzwerk bringt Austausch, die Stelle hilft Betroffenen im Alltag. Offen bleibt, wie Beschäftigte die Lotsenstelle erreichen und was sie konkret leistet. Das dürfte für pflegende Mitarbeitende die wichtigste Frage sein.



