Lengerich: Pfarrer Kossen prangert Ausbeutung von Arbeitsmigranten an

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Münster – Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich hat im Gottesdienst am Reformationstag, dem 31. Oktober, erneut die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigrantinnen und -migranten kritisiert. Die evangelische Kirchengemeinde in Burgsteinfurt hatte ihn als Gastprediger eingeladen, wie das Bistum Münster mitteilte. Als Pfarrer leitet Kossen die Pfarrei Seliger Niels Stensen. Er spricht seit vielen Jahren über menschenunwürdige Bedingungen in der Fleischindustrie und in anderen Branchen, etwa bei den Paketdiensten.

Auf der Kanzel erklärte er: „Wir haben es hier mit Menschenhandel zu tun, mit der Mafia!“ Das geschehe unter dem Radar der Rechtsstaatlichkeit. Viele osteuropäische Beschäftigte seien im deutschen Umfeld nicht persönlich bekannt, sondern eine anonyme Gruppe. Es handle sich um eine große Masse von Arbeitskräften, denen Gesicht, Name und Geschichte fehlten. Nach Kossens Überzeugung werden diese Menschen ausgebeutet, betrogen und gedemütigt, und zwar ohne Aufsehen und ohne dass sich jemand schuldig fühlt.

Der Pfarrer warnte vor Diskriminierung als Grundhaltung hinter der Ausbeutung. Häufig höre er die Meinung, Migranten müssten auch mit weniger zufrieden sein. Dem hielt er entgegen, Gerechtigkeit sei nicht teilbar und nicht an Nationalitäten gebunden. Mit Blick auf Artikel eins des Grundgesetzes sagte er, die Würde jedes Menschen sei unantastbar.

Die Kirchen mahnte Kossen, nicht wegzuschauen. Christliches Leben bedeute situationsbezogenes Handeln, tätige Solidarität, Beten und Wachen. Barmherzigkeit, die Jesus nach biblischer Überlieferung durch seine Nähe zu den Schwachen vorgelebt habe, erniedrige nie, sondern gebe Kraft. Den Kampf um Gerechtigkeit dürfe die Kirche nicht an andere abgeben. Sei das Unrecht schrill, müsse auch der Aufschrei schrill sein, lautete sein Appell. Eine Kirche ohne Dienst am Nächsten sei zu nichts nütze, erklärte Kossen.

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Kossen räumte ein, dass seine Haltung nicht nur Zustimmung findet und es Kritiker gibt. Er sagte, es gehe auch um menschenwürdige Lebensbedingungen, gerechte Löhne und bezahlbare Mieten. Dafür müsse sich die Kirche positionieren, auch um den Preis, dass sie aneckt, Geldgeber verliert und Privilegien aufs Spiel setzt. Die Kirche solle ein Ort sein, an dem man Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und den Erhalt der Schöpfung nicht nur lehre, sondern auch vorlebe. Am Ende forderte er, eine Kirche, die zur Ausbeutung von Menschen, Tieren und der Natur schweige, brauche eine Reform im Sinne des Evangeliums.

Überblick

  • Anlass: Gottesdienst am Reformationstag, 31. Oktober
  • Ort: evangelische Kirchengemeinde in Burgsteinfurt
  • Prediger: Pfarrer Peter Kossen, Pfarrei Seliger Niels Stensen, Lengerich

Einordnung

Peter Kossen ist nach Angaben der Online-Enzyklopädie Wikipedia ein deutscher römisch-katholischer Priester. Sein Engagement gelte dem Kampf gegen moderne Sklaverei; zudem trete er für faire Arbeitsverhältnisse ein, die die Würde der Menschen achten.

Zum Jahresbeginn 2017 wechselte er als leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde Seliger Niels Stensen nach Lengerich. Weil seine Aufgaben im Leitungsgremium des Offizialats Vechta ihm kaum Raum für die Arbeit als Seelsorger ließen, wandte er sich mit der Bitte um einen Wechsel in die Seelsorge an den Bischof in Münster. Seit April 2021 ist er zugewähltes Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Am 23. August 2020 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

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