Westfalen: So heizen Gärtnereien ihre Gewächshäuser im Winter sparsamer

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Wer im Winter ein Gewächshaus heizt, muss in diesem Jahr mit spürbar höheren Kosten rechnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag der Erzeugerpreis für Erdgas in der Verteilung im September 2026 über alle Abnehmergruppen 15,0 % höher als ein Jahr zuvor. Für leichtes Heizöl weist die Erzeugerpreisstatistik im selben Monat sogar ein Plus von 91,8 % aus.

In Nordrhein-Westfalen bewirtschafteten 2025 laut IT.NRW 809 Zierpflanzenbetriebe zusammen 2.726 Hektar, davon lagen 22,8 % unter Glas oder anderen hohen, begehbaren Abdeckungen. Auf Westfalen mit den Regierungsbezirken Münster, Detmold und Arnsberg entfällt ein Anteil von 25,8 % der Anbaufläche. Dazu kommt der Gemüsebau unter Glas, dessen Ernte bundesweit zu 80 % aus Tomaten und Salatgurken besteht, wie Destatis mitteilt. Für diese Betriebe geht es vor der Heizperiode um die Frage, wo sich Wärme sparen lässt, ohne die Kulturen zu gefährden.

Dichte Hülle und Energieschirme

Die Fachleute der Landwirtschaftskammer NRW raten, vor einer Investition in neue Anlagen die vorhandene Technik zu warten und gezielt nach Schwachstellen zu suchen. Dazu gehört, verrutschte oder gesprungene Scheiben zu reparieren, Dichtprofile und das Schließen der Lüftungsklappen zu kontrollieren und Stehwände sowie Giebel mit Isolierfolie oder Isolierscheiben zu versehen.

Ein- oder mehrlagige Energieschirme senken den Bedarf an Heizenergie nach Angaben der Kammer um 20 bis 40 %. Besonders lohnend ist ein Schirm demnach bei Kulturen mit hohem Wärmebedarf wie Weihnachtssternen, weil hoch montierte Heizrohre viel Wärme in den Dachraum abgeben. Schirme, die schon hängen, sollten vor der Saison auf Schäden am Material und an den Schürzen geprüft werden und richtig schließen.

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Fühler, Regelung und Luftbewegung

Der Klimacomputer regelt nur so genau, wie seine Sensoren messen. Die Kammer empfiehlt deshalb, das Gehäuse mit den Temperatur- und Feuchtefühlern im Bestand oder knapp darüber anzubringen und die Werte regelmäßig mit einem zweiten Temperaturfühler abzugleichen. Liegt die Temperatur nur 1 °C neben dem Sollwert, kann der Verbrauch je nach Heiztemperatur um 10 bis 30 % steigen.

Ventilatoren sorgen für eine gleichmäßigere Temperatur, verhindern kalte Ecken und bringen warme Luft, die sich unter geschlossenen Schirmen sammelt, zurück zu den Pflanzen. Ältere Geräte gegen Ventilatoren mit EC-Technik zu tauschen, spart Strom. Mit Regelstrategien, die das einfallende Sonnenlicht besser ausnutzen, lassen sich nach Angaben der Kammer 15 bis 50 % einsparen, und viele Klimacomputer beherrschen solche Strategien ohne großen Aufwand.

Heizung warten, Energieträger prüfen

Für die Heizanlage selbst nennt die Kammer einen einfachen Prüfpunkt: Das Ausdehnungsgefäß sollte jedes Jahr geprüft werden. Arbeitet die Ausdehnungsanlage mangelhaft, entsteht im kalten Rohrsystem Unterdruck und im Heizbetrieb Überdruck. Die beste Zeit für die Wartung ist nach Einschätzung der Fachleute der Sommer, wenn nicht geheizt wird; wer sie versäumt hat, holt sie besser vor dem ersten Frost nach.

Je nach Verfügbarkeit, Preis und Wärmebedarf kann laut Kammer ein Wechsel zu einer Holzfeuerung oder zu Biogas in Frage kommen. Auch Holz ist allerdings teurer geworden: Pellets, Briketts und Scheite kosteten im September 2026 nach Destatis-Angaben 38,5 % mehr als ein Jahr zuvor. Die Kammer erwartet, dass Gewächshäuser künftig aus einem Mix mehrerer Energieträger beheizt werden. Für Strom bieten sich oft die Dächer von Arbeits- und Lagerhallen an, und eine Photovoltaikanlage für den Eigenbedarf rechnet sich vor allem dann, wenn hohe Erzeugung und hoher Bedarf zusammenfallen, etwa beim Bewässern.

Beratung in Münster-Wolbeck

Für Gärtnereien in Westfalen ist das Bildungszentrum Gartenbau und Landwirtschaft in Münster-Wolbeck eine Anlaufstelle der Kammer. Wolbeck ist Beratungsstützpunkt unter anderem für Zierpflanzenbau, Baumschule und Obstbau. Die Technikberatung der Kammer reicht nach eigener Darstellung bis in die Heizungs- und Energietechnik, von der Wahl des Energieträgers über Heizungssysteme bis zur Klimaoptimierung.

Auf einen Blick

  • Energieschirme: 20 bis 40 % weniger Heizenergie (Landwirtschaftskammer NRW).
  • 1 °C Abweichung vom Sollwert: 10 bis 30 % Mehrverbrauch.
  • Sparsame Regelstrategien: 15 bis 50 % Einsparung.
  • Erzeugerpreis für Erdgas im September 2026: 15,0 % über dem Vorjahresmonat (Destatis).
  • Beratung: Bildungszentrum Münster-Wolbeck, Telefon 02506 309-600.

Eigene Einschätzung

Die Ratschläge der Kammer klingen unspektakulär, kosten aber wenig: Dichtungen, Fühler und Schirme lassen sich vor dem Winter prüfen, ohne neu zu bauen. Schwieriger ist die Wahl des Energieträgers, weil auch Holz teurer geworden ist. Wer auf Fördergeld hofft, sollte den Stand vor einer Bestellung bei der Beratung erfragen. Und jeder Betrieb mit beheiztem Gewächshaus braucht einen Plan für die Nacht, in der die Heizung ausfällt.

Quellen

  1. Energiesparpotenziale im Gewächshaus und im Kühllager – Gartenbauzentren der Landwirtschaftskammer NRW (abgerufen am 21.10.2026)
  2. Aktuelle Informationen – Gartenbauzentren der Landwirtschaftskammer NRW (abgerufen am 21.10.2026)
  3. Gemüseernte erreicht 2025 neuen Höchststand – Statistisches Bundesamt (abgerufen am 21.10.2026)
  4. Bildungszentrum Gartenbau und Landwirtschaft Münster-Wolbeck – Gartenbauzentren der Landwirtschaftskammer NRW (abgerufen am 21.10.2026)
  5. Beratungsinhalte Technik im Gartenbau – Gartenbauzentren der Landwirtschaftskammer NRW (abgerufen am 21.10.2026)
  6. Erzeugerpreise im September 2026: +6,7 % gegenüber September 2025 – Statistisches Bundesamt (abgerufen am 21.10.2026)
  7. NRW: Flächen für den Zierpflanzenanbau 2025 | Landesbetrieb IT.NRW (abgerufen am 21.10.2026)

Die Redaktion hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung recherchiert und geschrieben. Jede Zahl und jede Tatsachenangabe wurde vor der Veröffentlichung mit der genannten Quelle abgeglichen. Die „Eigene Einschätzung“ ist ein Kommentar der Redaktion.

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