Minden und Herford: Medizin Campus OWL zieht nach zehn Jahren Bilanz

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Minden – Der Medizin Campus OWL besteht seit zehn Jahren, und die Beteiligten haben dazu eine Bilanz vorgelegt. Bei einem Festakt im Campusgebäude am Johannes Wesling Klinikum Minden trafen sich die drei Kooperationspartner (Mühlenkreiskliniken, Kreiskliniken Herford-Bünde, Ruhr-Uni Bochum), wie die Mühlenkreiskliniken mitteilten. Als Kernzahlen nannten sie mehr als 1.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen und rund 400 ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Außerdem lässt sich für die Region ein „Klebeeffekt“ belegen.

Ärzte für die Region

Zu den wichtigsten Gründungszielen zählte der Kampf gegen den regionalen Ärztemangel. Die Überlegung: Wer einen wesentlichen Teil des Studiums vor Ort absolviert, bleibt möglicherweise auch danach. Die ersten sieben abgeschlossenen Ausbildungsjahrgänge brachten rund 400 approbierte Ärztinnen und Ärzte hervor. Etwa 100 von ihnen blieben in der Region.

Eine Untersuchung der Bochumer Universität ergab, dass nur 17,4 Prozent der befragten Studierenden ursprünglich aus der Region kommen. 51 Absolventinnen und Absolventen arbeiteten anschließend in OWL; 41 von ihnen wählten eine Stelle an Kliniken, die ihnen schon aus der Ausbildung vertraut waren. Der Campus gewinnt demnach auch junge Menschen aus anderen Teilen Deutschlands. Für die Krankenhäuser ist das ein Baustein der Personalgewinnung, weil die Studierenden Kliniken, Teams und Lebensbedingungen früh kennenlernen.

Forschung aus Minden, Herford, Bad Oeynhausen und Lübbecke

Die Forschung der vergangenen zehn Jahre spiegelt sich in mehr als 1.000 medizinischen Fachveröffentlichungen aus Minden, Herford, Bad Oeynhausen und Lübbecke wider. Univ.-Prof. Dr. Jan Borggrefe sowie Univ.-Prof. Dr. Ralf Gutzmer zeichneten diesen Wandel in ihrem Festvortrag „Zehn Jahre Forschung – Vom Kreiskrankenhaus zum Universitätsklinikum“ nach. Aus dem Ausbildungsstandort von 2016 wurde demnach ein Forschungsstandort mit klinischen Studien und internationalen Kooperationen.

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Univ.-Prof. Dr. Univ.-Prof. Andreas Krieg Dr. PD Dr. sowie Christian Meyer Raisa Abrams-Pompe zeigten am Beispiel von Chirurgie und Urologie, wie Behandlungstechnik, Forschung und Lehre zusammenwirken. Das Universitäre Zentrum für robotische Chirurgie und robotergestützte Operationen am Klinikum Herford stehen dafür beispielhaft. Wissenschaftliche Register und klinische Forschungsprojekte sollen helfen, Erkrankungen und Behandlungsergebnisse systematisch zu untersuchen.

Patientinnen und Patienten profitieren laut Mitteilung über klinische Studien von neuen Therapieverfahren. Als Beispiel nannten die Veranstalter die Forschung zu myeloproliferativen Neoplasien (MPN), seltenen Erkrankungen des blutbildenden Systems. Der Campus wirkt dort an großen nationalen und internationalen Studien mit. Auch neue diagnostische Verfahren und der Ausbau der Hochschulambulanz zeigten die Nähe von Forschung und Krankenversorgung.

Lehre

Die Lehrangebote wurden in den zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut. Auf der Ausbildungsstation HeroSta im Klinikum Herford erleben Medizinstudierende den klinischen Alltag und die Patientenversorgung aus erster Hand und bauen ihre praktischen Fähigkeiten im interprofessionellen Team aus. In der Notfallmedizin bildete der Campus seit dem Wintersemester 2017/2018 insgesamt 541 Studierende aus. Neben Vorlesungen gehören dazu realitätsnahe Simulationen, Übungen an Rettungsmitteln und die Kooperation mit Feuerwehr und Rettungsdienst.

Entstehung und Ausblick

Am Anfang stand eine Entscheidung des Landes NRW: Es wollte zusätzliche klinisch-praktische Studienplätze der Bochumer Hochschule dezentral in Ostwestfalen-Lippe schaffen. Aus dem Auswahlverfahren ging 2015 die gemeinsame Bewerbung aus Minden und Herford als Sieger hervor. Seit 2016 gehört der Medizin Campus OWL zum Universitätsklinikum Bochum. Das Herz- und Diabeteszentrum NRW, das schon länger zur Bochumer Universität zählt, hilft den beiden neuen Trägern von Anfang an bei Lehre und Forschung.

Der Forschungsstandort soll weiter gestärkt werden. Ziele sind der Ausbau der wissenschaftlichen Infrastruktur, zusätzliche Forschungsfördermittel und eine stärkere Vernetzung der medizinischen Fachdisziplinen. Langfristig soll sich der Standort zu einem Forschungscampus OWL entwickeln.

Zu den Gästen und Rednern des Festakts zählten Dr. Olaf Bornemeier, Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken, Dr. Andreas Schroeder, Medizinvorstand der Kreiskliniken Herford-Bünde, Kreisdirektor Markus Altenhöner aus dem Kreis Herford, der stellvertretende Landrat des Kreises Minden-Lübbecke Siegfried Gutsche und Bochums Universitätsrektor Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Paul. Bornemeier sagte: „Die Universitätsmedizin ist ein wichtiger, ich möchte sagen zentraler, Bestandteil unserer Mühlenkreiskliniken-DNA geworden.“

Redaktionsnotiz

Interessant ist, dass der Campus laut Mitteilung auch junge Menschen von außerhalb der Region gewinnt, was für den Standort als Arbeitgeber spricht. Offen lässt die Mitteilung, wie viele der Ärztinnen und Ärzte langfristig bleiben und wie sich die Versorgung in einzelnen Orten konkret verbessert hat. Die Zahlen zeigen einen Anfang, nicht das Ende des Ärztemangels.

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