Ab dem 30. Oktober 2026 können sich Vereine, Initiativen, Kommunen und andere Träger aus den ländlichen Räumen Nordrhein-Westfalens wieder um eine Förderung als „Dritter Ort“ bewerben. Es ist die dritte Runde des Landesprogramms. Angekündigt hat sie Kulturministerin Ina Brandes beim Tag der Dritten Orte am 12. September. Für Westfalen ist das interessant: Mehr als die Hälfte der bisher geförderten Häuser steht im Münsterland, in Ostwestfalen-Lippe und in Südwestfalen.
Was mit „Dritter Ort“ gemeint ist
Der Begriff stammt aus der Soziologie. Der US-Amerikaner Ray Oldenburg hat ihn 1989 in seinem Buch „The Great Good Place“ ausgearbeitet. Der erste Ort ist danach das Zuhause, der zweite der Arbeitsplatz. Der dritte ist ein Treffpunkt für die Nachbarschaft: offen für alle, leicht zu erreichen, mit Stammgästen und Zeit für Gespräche.
Das Land NRW versteht darunter etwas Engeres: eine Einrichtung mit kulturellem Kern, die Kultur, Bildung und Begegnung unter einem Dach zusammenführt. Haupt- und Ehrenamtliche sollen sie gemeinsam tragen. Bewerben können sich nur Projekte aus Städten und Gemeinden, die zur Gebietskulisse des „NRW-Programms Ländlicher Raum“ gehören. Welche das sind, listet das Kulturministerium auf seiner Website.
So läuft die neue Runde ab
Am Ablauf ändert sich wenig. Zuerst gibt es ein Jahr Zeit, ein Konzept auszuarbeiten, danach folgen drei Jahre Förderung für die Umsetzung. Neu ist die Förderstruktur: Kleinere Projekte, die vor allem von Bürgerinnen und Bürgern getragen werden, sollen leichter hineinkommen und genauer passende Hilfe bekommen. Einzelheiten will das Programmbüro in Kürze veröffentlichen.
Wer schon jetzt Fragen zu Bedingungen, Bewerbung und Fristen hat, kann an einer digitalen Beratung teilnehmen. Zwei Termine stehen noch aus: Donnerstag, 12. November, und Donnerstag, 3. Dezember, jeweils um 18 Uhr. Anmelden kann man sich per Mail an [email protected], mit dem gewünschten Termin. Den Link zur Teilnahme schickt das Büro danach zu.
Die ersten beiden Runden in Zahlen
Die erste Generation umfasst 24 Orte, gefördert seit 2020. Ihre dreijährige Umsetzungsphase lief Ende 2023 aus. Seitdem bekommen sie Geld für den Übergang in einen eigenständigen Betrieb, und zwar je Projekt 50.000 Euro für 2024, 40.000 Euro für 2025 und 30.000 Euro für 2026.
Für die zweite Generation schrieb das Land 2023 aus. Rund 120 Bewerbungen gingen ein, 28 Projekte kamen ab April 2024 in die Konzeptphase. 25 davon legten ein ausgearbeitetes Konzept vor, 22 bestätigte eine Fachjury. Seit August 2025 sind 21 Projekte in der Umsetzung. Für drei Jahre stehen ihnen zusammen bis zu 9,45 Millionen Euro zur Verfügung.
Beispiele aus Westfalen
In Nordwalde (Kreis Steinfurt) kümmert sich eine Bürgerstiftung um den Bispinghof. Er ist von einer Gräfte umgeben und gilt als Keimzelle des Ortes, seine Anfänge reichen bis ins Mittelalter. Herrenhaus, Speicher und Park werden saniert. Im Herrenhaus gibt es ein Café mit selbst gebackenem Kuchen, verzehren muss dort niemand etwas. Der Heimatverein zeigt in einem Teil der Räume sein „Schaufenster Heimatmuseum“.
In Gronau-Epe entsteht das Haus Lebenstein in einer früheren Synagoge. Der Name erinnert an Salomon Lebenstein: Er stellte 1907 den Baugrund zur Verfügung. Den Namen haben Beteiligte in einem gemeinsamen Workshop gewählt. Das Haus soll Gedenkort und Kulturzentrum zugleich sein.
In Petershagen-Windheim (Kreis Minden-Lübbecke) steht die Hofstelle Windheim No2, ein Drei-Ständer-Hallenhaus, von denen in der Gegend nur noch wenige stehen. 1998 gründete sich ein Verein, um den Abriss zu verhindern. Heute gibt es dort Konzerte, Filmabende und ein Café, unterm Dach ist das Westfälische Storchenmuseum untergebracht. Gerade wird eine Doppelscheune saniert, um mehr Platz zu schaffen.
In Sundern (Hochsauerlandkreis) hat eine Gruppe im Sommer 2024 ein leeres Bekleidungsgeschäft in der Fußgängerzone angemietet, möglich gemacht durch viel Geld aus der Stadtgesellschaft. Im Herbst darauf gründete sich der Verein Sunderns Wohnzimmer e.V. Das Ziel: Menschen aus allen 16 Ortsteilen sollen sich in der Innenstadt treffen.
Weitere Dritte Orte in Westfalen sind unter anderem die Schuhfabrik in Ahlen, das 3ECK in Borken, der Bahnhof in Löhne, das KulturStellwerk Nordlippe in Dörentrup, das Marta HOCH 2 in Herford, das Junge Kloster in Rheda-Wiedenbrück und das KulturQUARTIER in Soest.
Redaktionsnotiz
Das Programm setzt dort an, wo Dörfern oft zuerst etwas fehlt: ein Raum, in dem man sich ohne Eintritt und ohne Bestellung treffen kann. Dass die neue Runde kleinere Initiativen gezielter fördern will, ist richtig, denn viele der Häuser stehen und fallen mit wenigen Engagierten. Offen bleibt, wie es für die erste Generation weitergeht. Ihre Übergangsförderung sinkt jedes Jahr und ist nur bis 2026 vorgesehen. Ob sich die Orte danach selbst tragen, wird zeigen, wie viel das Programm wirklich bewirkt.
Quellen:
- Programmbüro Dritte Orte: Ausschreibung zur dritten Generation (abgerufen am 22.10.2026)
- Programmbüro Dritte Orte: Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum (abgerufen am 22.10.2026)
- Programmbüro Dritte Orte: Die Dritten Orte der ersten Generation (abgerufen am 22.10.2026)
- Programmbüro Dritte Orte: Die Dritten Orte der zweiten Generation (abgerufen am 22.10.2026)
- Programmbüro Dritte Orte: Tag der Dritten Orte 2026 (abgerufen am 22.10.2026)
- Wikipedia: Dritter Ort (abgerufen am 22.10.2026)
Recherche und Text entstanden mit KI-Unterstützung. Termine, Zahlen und Angaben zu den Projekten haben wir mit den genannten Quellen abgeglichen. Die „Redaktionsnotiz“ gibt die Meinung der Redaktion wieder.



