Der Kreisheimat- und Geschichtsverein Beckum-Warendorf stellt am Mittwoch, 18. November, die neue Ausgabe des Kreisjahrbuchs „Münsterland“ vor. Ort ist die Alte Post in Drensteinfurt. Die Wahl ist kein Zufall: Die Stadt an der Werse feiert in diesem Jahr ihr 1175-jähriges Bestehen. Wer sich für die Geschichte der Orte zwischen Ems und Lippe interessiert, kommt an dem Verein und seinen Büchern kaum vorbei.
Der Abend in Drensteinfurt
Um 18 Uhr beginnt in der Alten Post an der Mühlenstraße die Mitgliederversammlung, in diesem Jahr mit Vorstandswahlen. Gegen 19.15 Uhr folgt die Präsentation des Jahrbuchs. Das Fachwerkhaus selbst passt gut zum Anlass. Es wurde 1647 gebaut und diente zunächst als Wohnhaus, Lager und Getreidespeicher, heute gilt das Bürgerhaus als eines der markanten Baudenkmäler der Stadt. Drensteinfurt wurde 851 erstmals urkundlich erwähnt.
Ein Jahrbuch seit 1952
Das Kreisjahrbuch erscheint seit 1952 einmal im Jahr, der Titel hat sich mehrfach geändert. Von 1968 bis 1974 hieß es „Unsere Heimat Kreis Beckum“, bis 1989 „An Ems und Lippe“, danach „Heimatkalender“. Heute trägt es den Titel „Münsterland. Jahrbuch des Kreises Warendorf“. Die Beiträge kommen aus allen Städten, Gemeinden und Dörfern des Kreises. Es geht um Ortsgeschichte, Heimatkunde, Plattdeutsch und Naturschutz. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel oder direkt beim Verein, Mitglieder bekommen es günstiger.
Wer einen bestimmten Aufsatz sucht, muss nicht alle Bände durchblättern. Auf der Vereinsseite gibt es ein chronologisches Verzeichnis der Beiträge bis 2001. Nach Autoren, Orten und Themen lässt sich außerdem in der Nordrhein-Westfälischen Bibliographie (NWBib) suchen.
Wie aus zwei Vereinen einer wurde
Der heutige Verein ist noch jung, seine Wurzeln reichen weit zurück. 1959 wurde am Stadtrand von Beckum ein sächsisches Fürstengrab entdeckt, umgeben von einem Gräberfeld aus dem 7. und 8. Jahrhundert. Um die Grabungen mitzufinanzieren, gründeten sieben Männer am 7. November 1962 in Beckum den „Verein für die Geschichte des Kreises Beckum“. Neben den Grabungen kümmerte er sich früh darum, Urkunden zu dokumentieren und Bau- und Kunstdenkmäler in einem Bildarchiv festzuhalten.
Einiges davon wirkt bis heute nach. Der Verein drängte in den 1960er-Jahren auf ein Kreisarchiv, wenig später richtete der Kreis die Stelle eines Kreisarchivars ein. Im selben Jahr erschien der erste Band der Buchreihe „Quellen und Forschungen“. Mit der Gebietsreform 1975 dehnte der Verein seine Arbeit auf den neuen Kreis Warendorf aus und nannte sich Kreis-Geschichtsverein Beckum-Warendorf. Auch der Nachlass des plattdeutschen Dichters Augustin Wibbelt liegt dank seines Einsatzes im Kreisarchiv.
2023 fusionierte der Geschichtsverein mit dem Kreisheimatverein. Der neue Kreisheimat- und Geschichtsverein (KHGV) ist zugleich Dachverband der Heimatvereine im Kreis. Er hat nach eigenen Angaben mehr als 100 Einzelmitglieder und über 40 Vereine als Mitglieder, von Ahlen und Albersloh bis Westbevern und Westkirchen.
Neues Buch über das Kriegsende in Beckum
Die Schriftenreihe heißt heute „Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf“. Der jüngste Band stammt von Peter Littke und ist im Aschendorff-Verlag erschienen. Er behandelt die Nacht vom 31. März auf den 1. April 1945, in der sich Beckum kampflos den US-Truppen ergab und so der Zerstörung knapp entging. Wie das benachbarte Ahlen spielte die Stadt damit eine Rolle beim Schließen des Ruhrkessels. Littke widmet sich vor allem Wehrmachtsmajor Rudolf Dunker, der die Übergabe nach anfänglichem Zögern verantwortete, und dessen widersprüchlicher Persönlichkeit.
Preise für Forschende, auch für junge
Seit 2022 vergibt der KHGV jedes Jahr einen Geschichtspreis, dotiert mit 1.500 Euro. In geraden Jahren geht er als Forschungspreis an Heimat- und Geschichtsforscherinnen und -forscher, in ungeraden als Nachwuchspreis an junge Leute. Infrage kommen dafür Arbeiten von der Facharbeit bis zur Masterarbeit, die sich mit der Geschichte des Kreises oder eines seiner Orte befassen. Der nächste Nachwuchspreis ist demnach 2027 dran.
Den Forschungspreis 2026 erhielt am 10. Oktober Dr. Barbara Elkeles aus Telgte. Die Ärztin leitete bis 2019 die Rehabilitationsklinik Maria Frieden in Telgte und erforscht ehrenamtlich die jüdische Geschichte Telgtes und des Kreises. Sie ist seit vielen Jahren Vorsitzende des Vereins „Erinnerung und Mahnung“, der an die Juden in Telgte erinnert.
Älter ist die Augustin-Wibbelt-Plakette. Der Kreisheimatverein hat sie 1986 gestiftet und ehrt damit jedes Jahr Menschen, die sich um Heimatpflege und die niederdeutsche Sprache verdient gemacht haben.
Wo man selbst weiterforschen kann
Erste Anlaufstelle ist das Kreisarchiv Warendorf. Es ist das Zentralarchiv für den Kreis und seine 13 Städte und Gemeinden und verwahrt Unterlagen vom Mittelalter bis heute, dazu Fotos, Karten, Plakate, Lokalzeitungen und private Nachlässe. Angeschlossen ist eine öffentliche Forschungsbibliothek mit über 30.000 Medien. Nutzen kann das Archiv jeder, ob für die Schularbeit, die Familienforschung oder die Ortschronik. Wer Fragen hat, erreicht es unter [email protected].
Redaktionsnotiz
Ein Fürstengrab bei Beckum hat einen Verein hervorgebracht, der seit mehr als 60 Jahren Ortsgeschichte sammelt und druckt. Das meiste davon leisten Ehrenamtliche, oft über Jahre. Dass der Verein mit dem Nachwuchspreis gezielt junge Leute anspricht, ist klug. Ortsgeschichte braucht Menschen, die in 30 Jahren noch fragen, wie ihr Dorf zu dem wurde, was es ist.
Quellen:
- KHGV: Mitgliederversammlung und Vorstellung des Jahrbuchs am 18. November in Drensteinfurt (20.10.2026)
- KHGV: Heimatkalender und Jahrbücher (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: Publikationen (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: Der Verein (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: 50 Jahre Kreisgeschichtsverein Beckum-Warendorf (1962–2012) (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: Kriegsende in Beckum, das neue Buch in unserer Reihe (31.3.2026)
- KHGV: Geschichtspreis 2026 an Frau Dr. Barbara Elkeles (10.10.2026)
- KHGV: Geschichtspreis des KHGV (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: Die Augustin-Wibbelt-Plakette (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: Kreisarchiv Warendorf (abgerufen am 2.11.2026)
- KHGV: Drensteinfurt (abgerufen am 2.11.2026)
- Wikimedia Commons: Alte Post, Drensteinfurt (Bildbeschreibung) (abgerufen am 2.11.2026)
Recherche und Text entstanden mit KI-Unterstützung. Termine, Zahlen und Angaben zum Verein haben wir mit den genannten Quellen abgeglichen. Die „Redaktionsnotiz“ gibt die Meinung der Redaktion wieder.



